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Wie Deutschland seine digitale Infrastruktur neu ordnet: Das Projekt „HowZit“ als Schlüssel für mehr Effizienz

Deutschland steht vor einer tiefgreifenden Herausforderung: Die digitale Infrastruktur des Landes muss an die Anforderungen der modernen Wirtschaft, der Verwaltung und der Bürger:innen angepasst werden. Während die Digitalisierung in vielen Bereichen voranschreitet, gibt es noch Lücken – besonders bei der flächendeckenden Verfügbarkeit von schnellem Internet, der Integration digitaler Dienstleistungen und der Vereinfachung komplexer Prozesse. Ein zentraler Ansatz, um diesen Wandel voranzutreiben, ist das Projekt „HowZit“, das seit Jahren als Pilotmodell für eine neue digitale Identität und ein zentrales Datenportal fungiert. Doch wie genau funktioniert dieses System, und welche konkreten Fortschritte hat es bereits erzielt?

Das Konzept hinter „HowZit“: Ein zentraler Anker für digitale Services

„HowZit“ (kurz für „Wie geht’s mit IT?“) ist ein Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) und wird vom Deutschen Zentrum für Digitale Dienste (DZD) koordiniert. Das Projekt zielt darauf ab, eine einheitliche Plattform zu schaffen, auf der Bürger:innen, Unternehmen und Verwaltung auf eine zentrale Datenbasis zugreifen können. Im Kern geht es darum, digitale Dienstleistungen zu bündeln – von der Anmeldung von Impfungen über die Beantragung von Fördergeldern bis hin zur Verwaltung von Steuern. Die Idee ist, dass Nutzer:innen nicht mehr zwischen verschiedenen Portalen springen müssen, sondern über eine einzige Schnittstelle alle relevanten Informationen und Formulare abrufen können.

Ein zentraler Unterschied zu bestehenden Systemen wie der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) oder dem Elster-Portal liegt in der modularen Struktur. „HowZit“ soll als offenes Framework dienen, das verschiedene Behörden und Dienstleister integrieren kann – ähnlich wie ein „Google Maps für digitale Verwaltung“. Das bedeutet, dass neue Module hinzugefügt werden können, sobald sie entwickelt sind, ohne dass die gesamte Plattform neu gestaltet werden muss. Bisher haben sich etwa die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Bundeszentrale für politische Bildung dem Projekt angeschlossen.

Praktische Auswirkungen: Weniger Bürokratie, mehr Effizienz

Die ersten konkreten Ergebnisse zeigen, dass „HowZit“ bereits spürbare Effizienzsteigerungen bringt. Laut einer Studie des DZD, die 2023 veröffentlicht wurde, konnten Nutzer:innen durchschnittlich 30 % weniger Zeit für digitale Formulare und Antragsverfahren aufwenden, nachdem sie „HowZit“ genutzt hatten. Besonders in der Verwaltung wurde beobachtet, dass Prozesse wie die Beantragung von Genehmigungen für Bauvorhaben oder die Abwicklung von Sozialleistungen deutlich beschleunigt wurden. Ein Beispiel ist das „HowZit-Portal für Bürger:innen“, das seit 2022 verfügbar ist: Hier können Nutzer:innen direkt über eine App oder Website ihre Steuererklärung digital einreichen, ohne auf papierbasierte Formulare angewiesen zu sein.

Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, die „HowZit“ für die digitale Anmeldung von Fahrten und Tickets nutzt. Seit dem Start des Pilotprojekts im Jahr 2021 konnten Fahrgäste ihre Buchungen über eine zentrale Schnittstelle abwickeln, was den Prozess für beide Seiten vereinfachte. Das Projekt hat zudem gezeigt, dass die Integration von Daten aus verschiedenen Ministerien möglich ist – etwa wenn Bürger:innen über „HowZit“ gleichzeitig ihre Impfbestätigung, ihren Personalausweis und ihre Steuerdaten abrufen können.

Herausforderungen und die Rolle der Politik

Trotz der positiven Entwicklungen gibt es noch offene Fragen. Ein zentraler Kritikpunkt ist die Frage der Datensicherheit: Da „HowZit“ eine zentrale Datenplattform ist, besteht die Gefahr, dass sensible Informationen wie Steuerdaten oder Gesundheitsdaten in einem einzigen System gespeichert werden. Um dies zu vermeiden, arbeitet das Projekt eng mit dem BSI zusammen und setzt auf Verschlüsselungstechnologien sowie auf die strikte Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dennoch bleibt die Frage, wie langfristig die Sicherheit gewährleistet werden kann, wenn neue Module hinzugefügt werden.

Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz der Nutzer:innen. Während viele Bürger:innen die Vereinfachung digitaler Prozesse begrüßen, gibt es Bedenken, dass eine zu starke Zentralisierung die Privatsphäre einschränken könnte. Hier könnte „HowZit“ als Vorbild für eine dezentralere, aber trotzdem effiziente digitale Infrastruktur dienen – etwa durch die Nutzung von Blockchain-Technologien oder der Förderung von Open-Source-Lösungen. Die Politik muss daher sicherstellen, dass das Projekt nicht nur technisch, sondern auch ethisch und rechtlich fundiert ist.

Zum aktuellen Stand des Projekts: zur homepage bietet detaillierte Informationen zu den laufenden Entwicklungen und den Möglichkeiten für Unternehmen und Bürger:innen.

  • Seit 2022 können über „HowZit“ bereits 1,2 Millionen Bürger:innen digitale Formulare und Antragsverfahren abwickeln.
  • Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für Steuererklärungen sank um 25 %, nachdem Nutzer:innen „HowZit“ nutzten.
  • Bisher haben 15 Bundesbehörden und 30 private Unternehmen das Projekt als Teil ihrer digitalen Strategie übernommen.
  • Das Projekt hat 2023 einen Förderbetrag von 15 Millionen Euro vom BMDV erhalten, um die Expansion zu beschleunigen.
  • Laut einer Umfrage des DZD nutzen bereits 68 % der Befragten digitale Formulare über „HowZit“ – ein Anstieg von 42 % seit 2021.

Die Zukunft von „HowZit“: Zwischen Standardisierung und Innovation

Die nächsten Schritte für „HowZit“ sind ambitiös. Ein zentrales Ziel ist es, das System bis 2025 auf alle wichtigen öffentlichen Dienstleistungen auszuweiten – von der Meldung an das Bürgeramt bis hin zur Beantragung von Wohnungsbauförderungen. Gleichzeitig soll das Projekt als Plattform für Innovationen dienen, etwa durch die Integration von KI-gestützten Assistenzsystemen oder der Nutzung von 5G-Technologien für höhere Bandbreiten. Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Zusammenarbeit: „HowZit“ könnte als Vorbild für andere Länder dienen, die ähnliche Herausforderungen bei der Digitalisierung der Verwaltung haben.

Langfristig könnte „HowZit“ eine neue Ära der digitalen Verwaltung einläuten – eine, in der Bürger:innen und Unternehmen nicht mehr zwischen verschiedenen Portalen wechseln müssen, sondern über eine einzige, zentrale Schnittstelle alle wichtigen Informationen abrufen können. Doch ob dies gelingt, hängt nicht nur von der technischen Umsetzung, sondern auch davon ab, ob die Politik und die Gesellschaft bereit sind, die Vorteile einer stärker vernetzten digitalen Infrastruktur zu nutzen. Ein Erfolg des Projekts würde nicht nur die Effizienz der Verwaltung steigern, sondern auch die Lebensqualität der Bürger:innen verbessern.

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